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Neulögow

Neulögow ist heute ein Ortsteil der Stadt Gransee. Das im 13. Jahrhundert im Zuge der „deutschen Ostkolonisation“ von bäuerlichen Siedlern gegründete Straßendorf wurde im Jahre 1421 erstmals als „Logow“ im Zusammenhang mit Einfällen und Plünderungen durch mecklenburgische Marodeure urkundlich erwähnt. Bereits im ersten Drittel des 16. Jahrhunderts sprach man nur noch von einer „wüsten Feldmark“.

NeuloegowNeulögowDie ursprüngliche Dorfstätte war verödet. Im Zuge der zielgerichteten Anwerbung und Ansetzung von Siedlern aus fremden Landen in der stark entvölkerten und am Boden liegenden Mark Brandenburg, die unter dem Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm begann und unter König Friedrich II. vollendet wurde, siedelten in Neulögow, das damals noch „Logow“ bzw. „Lego“ bezeichnet wurde, nach dem Dreißigjährigen Krieg zunächst zwei Bauern unbekannter Herkunft und im Jahre 1688 Hugenotten aus Frankreich und frankophonen Gebieten der Schweiz.

Nachdem die Hugenotten nach kurzer Zeit den Ort wieder verlassen hatten, folgten 1737 einige böhmische Familien und letztendlich laut Pachtvertrag vom 28. September 1747 18 Familien aus der Pfalz. Die Pfälzer gehörten zu den Reformierten und hatten sich aus religiösen Gründen und wegen der wirtschaftlichen Notlage in der alten Heimat entschlossen, der Einladung des großen Preußenkönigs zu folgen und in die Mark Brandenburg , um hier einen Neuanfang zu wagen. So entstand die „Pfälzer-Kolonie“ Neulögow, die sich dauerhaft zu etablieren vermochte.

Die Pfälzer errichteten in Neulögow ein „Bethaus“ im Fachwerkstil, ähnlich den ehedem vorhandenen Gotteshäusern in den reformierten „Schweizer-Kolonien“ Königstädt (Wolfsruh), Schulzendorf und Glambeck. Eingepfarrt wurde die mehrheitlich reformierte Einwohnerschaft als „filia“(Filial) nach Altlüdersdorf, wo sich die Pfarrkirche der eigenständigen reformierten Gemeinde befand und auch der Pfarrer ansässig war. Die Neulögower Lutheraner gehörten zur lutherischen Gemeinde Großwoltersdorf. Im Jahre 1905 erfolgte die Grundsteinlegung für die heutige Kirche, die sich als neogotischer Ziegelbau mit aufgesetztem Fachwerkturm präsentiert. 1906 fand ihre feierliche Einweihung statt.

Das Gotteshaus beherbergt historische Gedenktafeln von 1815, 1870/71 sowie anlässlich des 1. und des 2. Weltkrieges. Sehenswert im Inneren der Kirche sind vor allem die Kanzel mit Chorgestühl, das Altarrundfenster mit Eichenlaubornamentik, die mit Ornamenten versehene Wandbemalung (1905) sowie die farbenfroh gestaltete Holzschnitzarbeit mit Tonnengewölbe. Es steht die Frage im Raum, warum die Neulögower Kirche im Unterschied zu den etwa gleichzeitig neu errichteten Gotteshäusern in Glambeck, Großwoltersdorf oder Schulzendorf gleichen Baustils anstatt eines steinernen Turms einen Turmaufsatz in Fachwerkausführung erhielt. Die Antwort ergibt sich hier aus zweierlei Sachverhalten: Erstens kostete ein Fachwerkturm weniger als die Mauerung aus roten Ziegeln und zweitens sollte der Sakralbau der „filia“ (Teilkirche/Tochterkirche) Neulögow nicht die Pfarrkirche im benachbarten Altlüdersdorf überragen bzw. in den Schatten stellen, wie ehedem der Pfarrer und der Superintendent des Kirchenkreises Lindow-Gransee meinten.