Kraatz


Kirche, kirchliche Verhältnisse und Pfarre Von seiner Entstehung bis zur Reformation gehörte Kraatz zum Bistum Brandenburg und unterstand der Propstei Gransee. Ein im Dorf ansässiger „Caplan“ (Hilfsgeistlicher) kümmerte sich um das Seelenheil seiner Gemeinde. Die Kirche aus bearbeitetem Feldstein, ein frühgotischer Saalbau mit querrechteckigem Westturm in Schiffsbreite, entstand in der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Ihr Granitmauerwerk und ihre gotischen Formen sind architektonische Zeugnisse der Entstehungszeit des mittelalterlichen Bauerndorfes deutscher Siedler. Das Kirchenportal weist noch heute die Form eines gotischen Spitzbogens auf und am Mauerwerk des Ostgiebels zeigen sich deutlich sichtbare Spuren dreier schmaler hoher Spitzbogenfenster gotischer Zeit, die bei Umbauarbeiten im 19. Jahrhundert vergrößert und im Stichbogen geschlossen wurden.

Das Gotteshaus hatte ehedem drei Glocken.

KraatzDorfkirche, Kraatz

Die älteste stammte aus dem Jahr 1494. Sie trug die Inschriften „O rex glorie veni cum pace“ und „mester hans handeke“, den Namen ihres Schöpfers. Laut dem 1542 ausgefertigten Register war „Kraetz“ (Kraatz) seit der Reformation ein Pfarrdorf mit Pfarrkirche. Zur Pfarre gehörten 4 Hufen Land, der Pfarrgarten, ein Kohlgarten und eine Wiese zu 4 Fuder Heu. Als erster lutherischer Pfarrer fungierte Joachim Struvensee, der vermutlich aus Struvensee (Strubensee) bei Lindow gebürtig war. Die Kirchen- und Schulaufsicht oblag nun der Inspektion bzw. Superintendentur Gransee. Als Superintendent und Schulinspektor fungierte in der Regel der 1. Pfarrer der Granseer Pfarrkirche St. Marien. Den markanten, noch heute das Dorfbild prägenden Turmhelm besaß die Kraatzer Kirche ursprünglich nicht.

Erst 1597 erhielt sie ihr Wahrzeichen: Ein 18 Meter hoher hölzerner Turmhelm wurde auf das Satteldach gesetzt. Er ragt seitdem weithin sichtbar gen Himmel. Die während des Dreißigjährigen Krieges von Söldnern aus der Kirche geraubten Reliquien konnten erst 1697 und 1715 durch zwei neue angeschaffte Abendmahlskelche ersetzt werden. 1792 bestand die Notwendigkeit zur Instandsetzung der Kirche, insbesondere ihres Turms, den die Kraatzer unbedingt erhalten wollten. Sie befürchteten, es könne ihnen so ergehen wie den Nachbarn in Buberow, die ihren hohen, schlanken Turmhelm nach behördlicher Anordnung 10 Jahre zuvor abtragen mussten. Und prompt wollte das Amtskirchen-Direktorium „…die unnathürlich hohe Turmspitze“ entfernen lassen, da laut Kostenberechnung Abriss und Rückbau günstiger wären als die Instandsetzung und Sanierung.

Die Kraatzer Gemeinde vermochte dieses Vorhaben zu verhindern und ihren schlanken, hohen Turm zu retten. Zur Eindeckung des Turmaufsatzes fanden 19500 Eichensponen Verwendung. 1808 brannten neben einigen Bauernhöfen sämtliche Pfarrgebäude ab. Pfarrhaus, Stall und Scheune mussten neu errichtet werden. Leider wurde auch das Pfarrarchiv ein Opfer der Flammen, so dass uns heute Dokumente und Niederschriften aus früheren Jahrhunderten nicht mehr verfügbar sind. Während der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts, insbesondere 1835/36, erfolgten bedeutende bauliche Veränderungen an der Kirche, die auf Initiative des neu berufenen Pfarrers Kandel erfolgten. Nach Plänen des Zehdenicker Bauinspektors Herrmann wurden neue Emporen errichtet, eine klassizistische, in blassgrün, weiß und goldgelb bemalte Kanzelwand entstand und den Haupteingang der Kirche legte man wieder durch den Turm. Die angedachte Umgestaltung der Fenster zu ihrer ursprünglichen gotischen Form unterblieb, weil die Kraatzer damit den Verlust des günstigeren Lichteinfalls ins Kircheninnere befürchteten. Vielleicht wollten sie aber auchnur den ihnen nachgesagten Nimbus wahren, der ihnen bescheinigte, dass sie beim Gottesdienst besser lesen und singen könnten als die Christen in den Nachbarorten. 1850 ersetzte eine neue Orgel des Baumeisters Lüttkemüller das inzwischen unbrauchbare Instrument von 1721. Sie kostete 350 Taler und wurde von der Gemeinde allein bezahlt. Die erstmalige Einkleidung des Turmhelmes mit Schieferschindeln, bis heute eine markante Eigenheit der Kraatzer Kirche, erfolgte im Jahre 1880. Auf

Grund des kriegswirtschaftlich bedingten Baustopps konnten vorgesehene Reparatur- und Instandsetzungsarbeiten an der Kirche erst 1953/54 realisiert werden. Im unteren Turmraum entstand in dieser Zeit die Gedächtnishalle für die Opfer der beiden Weltkriege, die ein Sgraffiti von Wilhelm Groß aufweist. 1963 begann mit dem Dienstantritt von PfarrerBodo Riebold die Ära des letzten im Ort ansässigen Pfarrers. Die Innenausstattung der Kirche war durch eindringendes Regenwasser stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Das Gestühl musste komplett ausgetauscht, eine umfangreiche Dachsanierung vorgenommen und derSchwamm in der Sakristei bekämpft werden. Die Kirche erhielt bleiverglaste Fenster und die Kanzelwand wurde restauriert. Nach mehr als einem Jahrzehnt reger Bautätigkeit befand sich die Kirche 1977 wieder in annehmbarem Zustand. 1983 restaurierte die Firma Fehlberg aus Eberswalde die Lüttkemüller-Orgel. Insgesamt betrugen die Ausgaben etwa 70000 Ostmark. Davon trug die hiesige Kirchengemeinde mehr als die Hälfte selbst. Seit dem 01. Februar amtiert Pfarrer Tobias Ziemann im Pfarrsprengel Gutengermendorf. Der Kirchengemeinde Kraatz gehören derzeit ca. 90 Mitglieder an.