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Gutengermendorf


Aus der Geschichte des Dorfes

Die Gutengermendorfer Kirche ist eine der ältesten unserer Heimatregion überhaupt.
Sie stammt aus der Gründungszeit des stattlichen, etwa 1,5 km langen Straßenangerdorfes, das im Zuge der so genannten „deutschen Ostkolonisation“ in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts entstand. Bäuerliche Siedler wurden hier von einem mit der Ansiedlung beauftragten „Lokator“ (Siedlungsbeauftragten) angesetzt, erhielten kostenlos Bauholz, eine Erstausstattung an Inventar und VieGutengermendorfDorfkirche Gutengermendorfh und bekamen einen Hof und Ackerland zugewiesen. Insgesamt wurden 60 Hufen Land vermessen und von 25 „Hüfnern“ (Bauern) unter den Pflug genommen. Die ehedem verwendete Bezeichnung Hüfner leitet sich von der ehedem üblichen Flächenbezeichnung und -einteilung in Hufen ab. Des Weiteren waren 1540 in Gutengermendorf bereits 8 Kossäten, 1 Schmied, 1 Krüger, 1 Kuhhirt und 1 Schäfer ansässig. An der Spitze der durch Ackerbau und Viehzucht landwirtschaftlich geprägten Dorfgemeinschaft stand seit jeher ein Lehnschulze, dessen Amt mit dem Lehnschulzenhof und mehreren abgabefreien Hufen dotiert war. Ihm oblag die Ausübung der niederen Gerichtsbarkeit sowie die Organisation und Ausübung der örtlichen Polizeigewalt. Als gemeinschaftlich genutzte „Allmende“ standen Wiesen und Weiden zur Verfügung. Bereits für das Jahr 1420 ist schriftlich überliefert, dass „by Ghermendorpe“ Überfälle und Plünderungen durch Mecklenburger und Pommern (Stargarder) erfolgten, die mehrmals in die benachbarten Gebiete der Mark Brandenburg einfielen. Auch der gewiss schon existente Ort dürfte unmittelbar betroffen gewesen sein.

Die erste urkundliche Erwähnung als Dorf erfolgte 1459, etwa ein Jahrhundert nach dessen Entstehung. Der Ortsname ist zurückzuführen auf das wendische „gerb“ (deutsch „Erle“). Tatsächlich befand sich das Dorf inmitten eines schon in früherer Zeit geschlossen mit Erlen bewachsenen, bis zur Feldmark Häsen reichenden Feuchtgebietes, das nach und nach trockengelegt und gerodet wurde, um es in Wiesen, Weiden und Ackerland umzuwandeln. „Gerbendorf“ hieß also im übertragenen Sinne ganz einfach „“Erlendorf“. Später erfolgte mehrmals eine Wandlung der Schreibweise. So sind beispielsweise 1541 „Germsdorf“, 1551 „Gerbendorff“, 1571 „Jermsdorf“ als Varianten zu finden. Für das Jahr 1590 ist erstmals die Benennnung „Gutten Germendorff“ nachgewiesen, die zur Unterscheidung von „Quaden-Germendorf“, dem heutigen Germendorf bei Oranienburg, erfolgte.


Gutengermendorf gehörte laut Matrikel von 1450 kirchlich zum Bistum Brandenburg. Die Obrigkeit über den Ort und seine Bewohner übte vor der Reformation das Kloster Zehdenick aus, zu dessen „Pertinenzien“ es gehörte. Die „Hüfner“ (Bauern) in Gutengermendorf waren also dereinst Lehnbauern der Zehdenicker Zisterzienserinnen und waren ihnen abgaben- und dienstpflichtig. Mit dem Einzug der Reformation in Brandenburg und der damit einhergehenden „Säkularisation“ von geistlichen Gütern um 1540/41 gelangte Gutengermendorf in den unmittelbaren Besitz des brandenburgischen Kurfürsten und in die Zuständigkeit des Kurfürstlichen Amtes Zehdenick. Der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) ging auch an Gutengermendorf nicht spurlos vorüber. Ein „Visitationsbericht“ von 1652, der im Auftrag des Großen Kurfürsten Friedrich Wilhelm von den Landeshauptmännern nach dem Bericht der Landreiter erstellt wurde, gibt zu Gutengermendorf folgende Auskunft:

Von 27 „Hüfnerstellen“ lagen noch 18, von 8 Kossätenstellen noch 2 „wüst“. Ein beträchtlicher Teil der Einwohnerschaft war an Krankheiten, zumeist an der grassierenden Pest, gestorben, andere hatten vor den marodierenden, brandschatzenden Söldnern kaiserlicher wie schwedischer Seite die Flucht ergriffen oder wurden von ihnen gefoltert oder gar getötet. Die Höfe wurden zumeist in Schutt und Asche gelegt, so zum Beispiel 1638 von den Söldnern des kaiserlichen Generals Gallas. In Gutengermendorf gab es 1652 noch 6 überlebende „Hausvorstände“, als da wären die „Hüfner“ Weller, Krüger, Röhle, Bernhardt, Thomas und Schön(e)berg. 1 Hof befand sich zu diesem Zeitpunkt im Besitz des Hans von der Gröben auf Meseberg und 1 Hof im Besitz des Pfarrers von Lentzke.


Im 17. und 18. Jahrhundert suchten mehrfach Brände und Tierseuchen das wieder intakte Dorf heim: 1671 gab es zwei Großbrände, zuerst brannte die Ostseite entlang der Dorfstraße ab, dann die Westseite. 1691 und 1693 gingen mehrere Gebäude in Folge von Blitzschlägen in Flammen auf, 1737 wurden 7 Höfe in Schutt und Asche gelegt. Viehseuchen grassierten unter anderem 1732, 1750 und 1751. Der Große Kurfürst Friedrich Wilhelm verpfändete aus Geldmangel Gutengermendorf mit all seinen „Gerechtsamen“ 1664 an seinen Oberjägermeister Freiherr von Hertefeld zu Liebenberg. Da er das Darlehen nicht zurückzahlen konnte, veräußerte er das Dorf gegen eine Zahlung von 6000 Talern als Lehen an dessen Nachfolger. Gutengermendorf gehörte seither ununterbrochen bis zur Enteignung 1945 der adligen Herrschaft zu Liebenberg und unterstand ihrem Patronat. 1798 war Ludwig Carl Friedrich Wilhelm Baron von Hertefeld zu Liebenberg Patron. Des Weiteren besaß das Domkapitel Berlin einen Freihof gegenüber der Kirche, der einem Bauern zur Pacht überlassen wurde. Um 1800 bewirtschafteten der Lehnschulze, 26 Ganzbauern, 1 Halbbauer und 5 Kossäten nach wie vor 60 Hufen Land. Dominant war die Feldwirtschaft. Es dominierte der Getreideanbau mit Roggen, Gerste und Hafer. Auch Kartoffeln und Rüben hatten seit dem Erlass von Edikten Friedrich des Großen als Ackerkulturen Einzug gehalten. Selbst Wicken, Erbsen und Leinen wurden geerntet. Gutengermendorf wies 1798/99 42 „Feuerstellen“ auf. Die Einwohnerzahl belief sich 1798 auf 306 Personen, 1895 auf 488 und 1946 mit dem Eintreffen der Flüchtlinge aus den damaligen deutschen Ostgebieten gar auf 598 Personen. Die Gemarkung Gutengermendorf verfügte nach der Landseparation von 1860 über insgesamt 4396 Morgen, davon 3287 Morgen Ackerland. Gutengermendorf verfügte mit der offiziellen Inbetriebnahme der Bahnlinie Berlin-Stralsund Mitte der 1870er Jahre über einen eigenen Bahnanschluss. Die Station ist heute leider stillgelegt.