Dollgow

Mit dem Einzug der Reformation in der Mark Brandenburg verfügte das Dorf Dollgow über eine eigene Pfarre mit ortsansässigem Pfarrer. Schon 1574 wird im Erbregister des Amtes Lindow erwähnt, dass der hiesige Pfarrer über 2 Hufen Kirchenland auf der Feldmark DollgowDorfkirche, Dolgow und über weitere 2 Hufen auf der Feldmark der wüsten Dorfstätte Pritzkow verfügt. Das im 13.Jahrhundert Zuge der deutschen Ostsiedlung des Mittelalters entstandene Dorf Pritzkow war demnach schon vor dem Dreißigjährigen Krieg nicht mehr existent. Die in mittelalterlicher Zeit errichtete, aus Feldstein bestehende Dollgower Kirche wurde im Dreißigjährigen
KDolgowDorfkirche, Dolgowrieg (1638) durch Söldner des kaiserlichen Generals Gallas gebrandschatzt. Dabei wurde die Gerichtslinde vor der Kirche stark in Mitleidenschaft gezogen und verdorrte. Um die „Gallas-Linde“ rankt sich folgende Sage: „Es war im Jahre 1638, als die Soldaten des Generals Gallas raubend, mordend und plündernd durch unsere Gegend zogen. Da brannte die Kirche in Dollgow ab und mit ihr die große Linde, die vier Klafter (als Längenmaß 1,90 m-C.D.) im Umfang hatte. Nach zehn Jahren ist sie wieder ausgeschlagen, so wird berichtet, und sie wächst heute noch. Sie hat in der Zwischenzeit einen Umfang von vier Metern angenommen.“ Der alte Sakralbau wurde 1652 wieder hergerichtet. Doch der Zahn der Zeit nagte unentwegt, so dass 1767 die Neuerrichtung der Kirche im schlichten Barockstil erfolgte. Aus diesem Jahr stammt auch die Wetterfahne des Gotteshauses. Die inmitten des Ortes gelegener Kirche gehört zu den schönsten ländlichen Sakralbauten der Region. Es handelt sich um geputzte Barockkirche mit hohen Rundbogenfenstern. An der Ostseite befinden sich zwei fensterförmige Rundbogenblenden. Im Inneren beherbergt die Kirche einen barocken Kanzelaltar, einen handgeschnitzten Opferstock und einen Taufstein aus dem 17. Jahrhundert.

Die Glocke wurde bereits 1490 vom niederländischen Glockengießer Gerhard de Wou gegossen. Sie gilt in der Mark Brandenburg als die einzig erhaltene dieses dereinst in ganz Europa und insbesondere der Mark Brandenburg bekannten Meisters, weist einen Durchmesser von 86 cm auf und ist ein Produkt seiner frühen Schaffensperiode. Gerhard de Wou wurde um 1440 in Hintham geboren und lebte später in Kampen, wo er im Dezember 1527 verstarb. Als Sohn des Glockengießers Johannes de Wou war er frühzeitig mit diesem Handwerk in Berührung gekommen. In Anlehnung an seinen Wohnort Kampen wurde Gerhard de Wou auch Gerhard Wou van Kampen bzw. Geert van Kampen genannt.

Sein Meisterstück vollbrachte der Niederländer ohne Frage mit dem Guss der „Gloriosa“ des Erfurter Doms, die er 1497 schuf. Des Weiteren verfügt die Dollgower Kirche über eine „Lüttkemüller-Orgel“ aus dem Jahr 1882. Die Turmuhr wurde im Jahre 1905, also vor nunmehr 105 Jahren, eingebaut und ihrer Funktion übergeben. Im Inneren der Kirche erinnern 3 Gedenktafeln an die Gefallenen des Ortes, die in den Befreiungskriegen von 1813-1815, in den Kriegen 1864-1866 und 1870/71 sowie im 1. Weltkrieg ihr Leben ließen. Auf dem Kirchfriedhof befinden sich das (verwitterte) Denkmal zur Erinnerung an den 1. Weltkrieg sowie drei Einzelgräber im 2. Weltkrieg gefallener unbekannter deutscher Soldaten. In neuerer Zeit (1998 bis 2002 und 2007) erfuhr das Bauwerk an der Außenhülle und im Inneren diverse Sanierungs- und Restaurationsmaßnahmen. Erinnert sei an dieser Stelle an den Festgottesdienst mit Superintendent Uwe Simon anlässlich der fertiggestellten Restaurierung der Blumenornamente des Hochaltars Anfang Dezember 2007. Heute gehört Dollgow zum Pfarrsprengel Menz.