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Altlüdersdorf

Die Kirche und kirchliche Verhältnisse-


Allen Reformierten Migranten in Brandenburg-Preußen war die ungehinderte Ausübung ihrer kirchlichen Ordnung zugesichert worden. Die „Schweizer-Kolonien“ in der Mark Brandenburg hatten in der Regel ihre eigene, reformierte Kirchengemeinde und ihre eigenen reformierten Pfarrer. Diese kamen in den Anfangsjahrzehnten  aus der alten Heimat. So wurden laut Vereinbarung Lindow, Neustadt-Eberswalde und Lüdersdorf mit Pfarrern aus Zürich versehen, während die anderen Kolonien Pfarrer aus Bern erhielten. Um auch in der Dorfkirche AltldersdorfDorfkirche, Altlüdersdorfneuen Heimat reformierte Gotteshäuser zu errichten und reformierte Gemeinden zu etablieren, wurden auf Befehl des ersten preußischen Königs Friedrich I. der reformierte Prediger Herkules Delliker (Dellicher) aus Lindow, „gebuertig aus dem Kanton Zürich“, in das Vaterland entsandt, um bei den Landsleuten eine Kollekte zum Aufbau der Lüdersdorfer und weiterer reformierter Kirchen und Bethäuser zu sammeln. Die Kollekte brachte beachtliche 4.600 Franken ein. So konnten in den Ämtern Alt-Ruppin und Lindow sieben Dorfkirche, AltlüdersdorfKirchen gebaut und drei Predigerhäuser errichtet werden. 1701/1702 wurde in der „Schweizer-Kolonie“ Lüdersdorf die Kirche erbaut. Die feierliche Einweihung erfolgte mit einem Gottesdienst im Jahre 1702. Während des ersten Jahrzehnts  ihres Hierseins hielten die Schweizer-Kolonisten den Gottesdienst „ohne Bedachung auf freiem Felde“ ab. Der erste Prediger vor Ort war Johann Rudolf Ziegler, gebürtig in Zürich. In den Anfangsjahren noch eigenständig, fusionierten die Gemeinden Lüdersdorf und Schulzendorf 1698 miteinander. Die Pfarre und die vier Jahre danach fertiggestellte Pfarrkirche befanden sich in Lüdersdorf. In Schulzendorf wurde 1702/03 ein Gotteshaus ähnlich dem in Lüdersdorf erbaut. Die zwölf Lüdersdorfer Familien bildeten mit denen der ehedem acht Schulzendorfer „Hausvorstände“ Christian Bruesch (Schulze) (namentlich nicht benannt), Joachim Wildberger, David Steinmann, Gürg Meyer, Jacob Freye sen., Mathias Bruesch, Jacob Freye jun. und Hans Schröder eine reformierte Kirchengemeinde.Der Pfarrer versah seine Gottesdienste und andere kirchliche Pflichten in Lüdersdorf und Schulzendorf gleichermaßen.
An seine Versorgungsgänge zu den anderen Gemeinden erinnert noch heute der „Priesterweg“ entlang des Buchenwaldes südlich Woltersdorf. Um 1701 kamen die Schweizer der neu entstandenen Kolonie Königstädt (heute Wolfsruh) hinzu, später im 18. Jahrhundert folgten die in Lögow (Neulögow) angesetzten reformierten Siedler aus der Pfalz. Mit dem Aussterben der ersten Schweizergeneration schwanden allmählich auch die Bande zur alten Heimat. Nach 1735 sind keine Pfarrer mehr aus der Schweiz entsandt worden. Eine andere Generation war herangewachsen und baute auch die Schranken zwischen den protestantischen Konfessionen allmählich ab. Die religiöse Autarkie lockerte sich und Mischehen zwischen Reformierten und Lutheranern waren nun schon bald keine Seltenheit mehr.                                                                                                                                                  

Die kleine barocke Fachwerkkirche in Altlüdersdorf ist ein Sakralbau, der zunächst recht unscheinbar und bescheiden wirkt, aber einen ganz besonderen Charme versprüht. Sie stellt im wahrsten Sinne des Wortes etwas Besonderes dar. Das Gotteshaus weist einen polygonalen Saal und einen hölzernem quadratischen Turm mit einem rechteckigen Spitzhelm auf. Die hohen Fenster sind in hölzernen Stichbögen geschlossen. Im Kircheninneren befindet sich eine einfache Kanzel aus der Spätrenaissance um 1700. Dereinst hatte die Kirche 2 Glocken: Eine bronzene Glocke von 64 cm Durchmesser stammte aus dem Jahre 1727 und wurde von Christian Heintze in Berlin umgegossen. Sie ist heute nicht mehr vorhanden. Die andere, noch erhaltene wurde 1684 in Zehdenick gegossen. 1824 baute die Orgelbauer und Bäckermeister Turley senior und junior aus Treuenbrietzen die Orgel mit 8 Registern, ohne Pedal. Mit ihrem dem griechischen Tempel nachempfundenen klassischen Prospekt fügte sie sich sehr gut in den schlichten Kirchraum ein. 1744 wurde der Kirchturm repariert und wegen der zahlenmäßig wachsenden Gemeinde die Empore in der Kirche eingebaut. Zu Pfingsten, am 21. Mai 1768, zerstörte eine Feuersbrunst das Dorf und auch das Pfarrhaus. Der Pfarrer zog zwischenzeitlich nach Schulzendorf. Des Weiteren ist zu erfahren, dass im Zeitraum von 1787 bis 1796 in Lüdersdorf und den eingepfarrten Orten 85 Paare kopuliert (getraut),  450 Kinder geboren sowie 353 Sterbefälle verzeichnet wurden. Bis 1846 bestand die reformierte Gemeinde mit eigener Kirchenverwaltung, dann wurde sie Teil der “Unierten Kirche“ in Preußen. Die Filia Schulzendorf-Königstädt (Wolfsruh) blieb bis 1868 mit der „mater“ Lüdersdorf vereint. Im selben Jahr bestimmte ein „Umpfarrungs-Dekret“, dass  Schulzendorf-Königstädt fortan eine eigene Gemeinde mit Mutterkirche und Pfarre in Schulzendorf bilden und damit aus der Parochie Lüdersdorf herausgelöst werden. 1848 wurde der Turm der Lüdersdorfer Kirche wegen Baufälligkeit repariert.

Wegen eines Brandes am 19. August 1868 fiel neben 25 weiteren Gebäuden das hiesige Pfarrhaus in Schutt und Asche. Der damalige Prediger Kraft zog vorübergehend in die Oberförsterei und später zu Gutsbesitzer Ramin nach Neulüdersdorf. Ramin gehörte auch das Gut Güldenhof (bei Dollgow). Durch ein Glücksspiel soll er auch noch den Lüdersdorfer Ausbau „Lindenhof“ gewonnen haben. Das Feuer brach im Schafstall des Bauern Christian Hennig aus. Ein 10-jähriger Knabe hatte es gelegt, da er einen Iltis ausräuchern wollte. Pfarrer Kietzig hatte 1934 erhebliche Schwierigkeiten wegen seiner selbständigen Jugendarbeit. Er schrieb: „…Ein SA-Mann und ein Hitlerjungenführer erschienen, um die Jugendstunde zu kontrollieren, außerdem wurde uns verboten bei Ausflügen in Reihe und Glied zu gehen und bei geselliger Fühlungnahme (Spiele) Volkslieder zu singen“. Auf Befehl wurde im Rahmen der nationalsozialistischen Gleichschaltung der „Evangelische Jugendverein“ 1934 der HJ (Hitlerjugend) und dem BDM (Bund deutscher Mädchen) eingegliedert.

1950 wurde die bislang mit Altlüdersdorf verbundene reformierte Gemeinde Neulögow ausgemeindet und bildete mit der dortigen lutherischen eine neue Gemeinde. Gleichzeitig wurde das bisher nach Großwoltersdorf eingegliederte Seilershof nach Altlüdersdorf eingekircht. Im Dezember 1973 erfolgte die Integration von Dannenwalde aus der Landeskirche Mecklenburg nach Altlüdersdorf. Heiligabend 1980 wurde die elektrifizierte Kirche in Betrieb genommen. In der Kirche befindet sich ein schmiedeeisernes Grabkreuz, das ein Schmiedegeselle für seine verstorbene Braut hergestellt haben soll. 1985 ist die Orgel aus der Kirche ausgebaut worden, da sich die Decke auf sie senkte. Die Decke und der Dachstuhl bedurften zuvorderst einer umfangreichen Erneuerung,